Eintritte in Island

Spätestens seit dem Winter 2012/13 rumorte es, war die Rede von eventuellen Eintritten in Island. Wer bis dato das Land bereist hatte, wusste, dass man bislang nirgends Eintritt zu zahlen brauchte. All die tollen Natursehenswürdigkeiten waren kostenlos zugänglich. Das war Island.

Mit den Jahren und den zunehmenden Touristenzahlen wurde aber auch uns als Reisenden und Reiseleitern deutlich, dass etwas geändert werden muss. Die Zuwegungen sind oft nicht auf die inzwischen existierende Touristenanzahl ausgerichtet, Toiletten an vielen Stellen nicht vorhanden, der Schaden an der Natur nahm und nimmt zu. So sehr Island immer noch ein Beispiel für möglichst wenig Reglementierung und Einschränkung war, so ursprünglich es an vielen Stellen immer noch daher kam (z. B. wenig Absperrungen), so sehr war es nur eine Frage der Zeit, dass sich dies ändern wird und auch muss. Auch wenn uns das nicht immer gefällt. Es ist nicht abzusehen, dass die Anzahl der Touristen kurzfristig so massiv abnimmt, dass die Infrakstruktur nicht angepasst werden muss. Die Frage ist: Wie macht man es, wie finanziert man es?

Ich befürworte seit Beginn der Diskussion eine Gebühr, die man als Tourist bei der Einreise zu zahlen hat und die dann für solche Schutzmaßnahmen (z. B. Stege, Anlegen von Wegen zum Schutz der Natur) und Infrastrukturmaßnahmen genutzt wird. Seit Kurzem ist klar, dass ab 2015 ein Naturpass eingeführt werden soll. Aber eben erst  ab 2015. In der Zwischenzeit machen andere Dinge Schlagzeilen.

Bereits seit Sommer 2013 wurde von den Landbesitzern am Krater Kerið ein Eintritt kassiert. Seit dem 14. März muss am Geysir gezahlt werden. Für die Mývatn-Region und dort konkret das Geothermalgebiet am Námafjall, Leirhnjúkur und den Dettifoss sind Eintritte für den Sommer geplant und auch vom Skógafoss und Seljalandsfoss hört man ähnliche Überlegungen.

Ich kann die Aktionen der Landbesitzer in gewissem Maße nachvollziehen. Ich war nahezu das gesamte Nachkrisenjahr 2009 in Island und seitdem jeden Sommer, 2013 gar wieder ein 3/4 Jahr. Ich kann verstehen, dass in einem Land, das finanziell arg gebeutelt war, Begehrlichkeiten geweckt werden, wenn man sieht, dass immer mehr Touristen in das Land kommen. Als ich Jan-April 2013 noch einmal im Hotel arbeitete, habe ich vor Ort das Erstaunen über das plötzliche Touristenaufkommen im Winter miterlebt, das damals erstmals so massiv aufkam. Ich habe am Ende des Sommers viele $-Zeichen in vielen Augen gesehen. Ich habe mich für einige einerseits gefreut - dafür, dass es finanziell bergauf ging, dass man aus der klammen Situation herauskam, die vielerorts noch immer vorherrschte. Ich habe im gewissen Maße nachvollziehen können, dass eine Art Mitnahme-Mentalität aufkam im Sinne von "Lass es uns ausnutzen, so lange es anhält". Ich habe aber auch gemischte Gefühle dabei, weil da eine Art und Weise aufkam, mit der ich die Isländer bis dato nicht in Verbindung brachte - im Sinne von: Das passt gar nicht zu denen. Aber steht es uns zu zu urteilen, wie jemand ist und was zu ihm passt?

Wie gesagt: Ich kann die aufgekommene Entwicklung in gewissem Maße nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht glücklich finde. Ich hoffe für alle, dass man einen gemeinsamen Weg findet. Sage aber gleichzeitig: auch anderswo auf der Welt müssen Eintritte gezahlt werden. Und nur weil es etwas bislang nicht gab, muss es nicht heißen, dass es das nie geben wird. Fakt ist, dass wir in diesem Jahr an diversen Stellen Eintritte zu zahlen haben, die in ihrer Einführung genau so spontan daher kamen, wie die damalige MwSt-Erhöhung auf Übernachtunsgleistungen. Dinge, mit denen wir uns eben kurzfristig arrangieren müssen.

Wie umstritten die Eintritte auch im eigenen Land sind, zeigt dieser Artikel auf Iceland Review online: http://icelandreview.com/news/2014/03/25/pm-criticizes-tourist-entry-fees (möglicherweise erscheint er in den nächsten Tagen auch übersetzt in der deutschen Ausgabe).

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