Vulkan update 30. August

Wir sind nach einem wunderschönen Tag wieder im Hotel angekommen, stehen kurz vorm Essen - daher hier kurz der neueste Stand der Dinge:

Die Erdbeben halten weiter intensiv an, haben sich aber in den letzten beiden Tagen nicht weiter nördlich bewegt. Die aktuelle Erdbebenkarte zum zeitlichen Verlauf schaut so aus:

Quelle: http://en.vedur.is/earthquakes-and-volcanism/articles/nr/2949
Hier sieht man also, dass sich nördlich des Gletschers die roten = aktuellen Punkte mit den orangen der vorhergehenden Tage überlappen. Die 15 = rot bedeutet: Tag 15 vom 16. August an = 30. August. GPS-Messungen zeigen weiterhin eine horizontale Bewegung des Magmas gen Norden innerhalb des Ganges / der Intrusion.

Es wurden einige Erdbeben im Bereich des Vulkans Askja gemessen, die aber - so interpretiert man es weiterhin - auf Druckänderungen im Gestein nördlich der Intrusion zurückzuführen sind.

Die Flüsse zeigen keine Besonderheiten.

Man bezeichnet den kleinen Spaltenausbruch von vorgestern Nacht als einen "geologischen Unfall" und weist daraufhin, dass nur ein Tausendstel des Magmas, das sich dort gerade unter der Erdoberfläche bewegt, seinen Weg nach oben gefunden hat. Auf der anderen Seite bewertet man die Situation vom 23. August inzwischen anders. An jenem Samstag hatte es ja zunächst "Ausbruchsalarm" gegeben - alle Zeichen standen auf Ausbruch. Aber dann hatte man das ganze als Fehlalarm eingestuft. Inzwischen und im Zusammenhang mit den Veränderungen im Eis (die Eintiefungen, die man kürzlich entdeckte) geht man nun doch davon aus, dass an jenem 23. August ein subglazialer Ausbruch stattgefunden hat - immer noch klein und in einer Stärke, die nicht ausreichte, den an dieser Stelle 400-600 m dicken Eispanzer zu durchbrechen, dennoch aber wahrscheinlich 10x stärker als das, was in der Nacht von Donnerstag auf Freitag bei der kleinen Spalteneruption passierte.

Auf Grund der aktuellen Ergebnisse und der weiter auch starken Erdbeben innerhalb der Bárðarbunga-Caldera hat man den bisher drei wahrscheinlichen Szenarien ein viertes hinzugefügt:

I) Allmähliche Abnahme der seismischen Aktivität ohne weitere Ausbrüche.

II) Ein weiterer Ausbruch auf eisfreiem Land, möglicherweise in einer neuen Spalte.

III) Ein Ausbruch teilweise oder ganz unter Eis, aber außerhalb der Hauptcaldera, also im nördlichen Bereich des Gletschers. Dies könnte zu einem Gletscherlauf führen, der wahrscheinlich über den Fluss Jökulsá á Fjöllum abfließt und es könnte zu einer explosiven, Asche produzierenden Aktivität kommen.

IV) Ein Ausbruch des Vulkans Bárðarbunga selbst (also irgendwo innerhalb / am Rand der Caldera). Ein solcher Ausbruch könnte zu einem Gletscherlauf führen, der wahrscheinlich über den Fluss Jökulsá á Fjöllum abfließt und es könnte zu einer explosiven, Asche produzierenden Aktivität kommen. Der Abfluss des Schmelzwassers über die Flüsse Skjálfandafljót, Kaldakvísl und Skaftá sowie über den See Grímsvötn wäre aber ebenso möglich.

Weitere Szenarien können nicht ausgeschlossen werden. Das nördliche Hochland und die Straße 862 bleiben weiter geschlossen.

Informationen auf Englisch:
http://www.ruv.is/frett/eruption-at-bardarbunga-now-more-likely
http://en.vedur.is/earthquakes-and-volcanism/articles/nr/2947

Ómar Ragnarsson flog über den Gletscher und dabei möglicherweis neue Risse im Eis entdeckt:
http://www.mbl.is/frettir/innlent/2014/08/30/fresh_ice_cracks_in_bardarbunga/

Wir warten weiter ab und genießen derweil unser Abendessen :-).

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