Vulkan update - Lavafeld wird evakuiert

Man hätte es sich ja denken können - kaum ist mal etwas Ruhe, braut sich etwas zusammen ;-). Die Ereignisse der letzten Stunden in Kurzform:

Der Ausbruch verläuft in ungefähr gleichbleibender Intensität. Auf der anderen Seite haben GPS- und andere Messungen ergeben, dass mehr und mehr Magma in diesen Gang strömt - es strömt also mehr Magma in den Gang als an der Ausbruchsstelle wieder herauskommt. Der Gang hat sich in der Folge bereits erweitert (ist breiter geworden). Radarbilder zeigen, dass sich eine 0,5 - 1 km Einsenkung (oder Grabenbruch) nördlich und unter dem Gletscher gebildet hat. Sie reicht ca. 2 km in den Gletscherbereich hinein - mehr lässt sich auf der Grund der zunehmenden Eisdicke nicht erkennen, sie könnte also weiter in den Gletscher reichen. Dieses Foto vom 2. Sep zeigt Risse im alten Lavafeld, die auf Grund der darunter befindlichen Magmaintrusion entstanden sind:

Quelle: http://www.ruv.is/frett/holuhraun-eruption-not-big-enough

Man muss derzeit von der Möglichkeit ausgehen, dass sich der Ausbruch südwärts verlagert. Das hieße: unter den Gletscher, was einen baldigen Gletscherlauf zur Folge hätte.

Mit Stand Nachricht 15:30 Uhr heißt es: Die Seismometer haben kürzlich einen ansteigenden Niedrig-Frequenz-Tremor im Nordwestteil des Vatnajökull angezeigt. Der Zivilschutz hat daraufhin alle im Bereich der Vulkanspalte im Lavafeld Holuhraun befindlichen Personen aufgefordert, die Gegend zu verlassen, da befürchtet wird, dass der Ausbruch größer wird, an anderer Stelle oder gar unter dem Gletscher ausbricht. In der Twitter-Meldung des Zivilschutzes von 15:17 Uhr heißt es:

Increased unrest in the area around the eruption in Holuhraun . Scientist and journalist are leaving the area.


Vielleicht zur Hilfe dieser Wikipedia-Auszug aus dem Artikel "Vulkan":

Ein Eruptionsprozess wird zunächst vom Aufstieg des Magmas eingeleitet. Wenn das Magma auf vorgezeichneten oder neuen Bruchlinien, Spalten oder Rissen zur Erdoberfläche emporsteigt, entstehen durch Spannungen im Umgebungsgestein und durch Entgasungsprozesse des Magmas charakteristische seismische Signale. Gestein zerbricht dabei und Risse beginnen zu vibrieren. Die Zerstörung von Gestein löst Erdbeben mit hoher Frequenz aus, die Bewegung der Risse dagegen führt zu niedrig frequenten Beben, dem sogenannten vulkanischen Tremor.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vulkan

Um 17:10 Uhr wurde eine Kurz-Auswertung des erneuten Überflugs über dem Gletscher und der Ausbruchsregion berichtet: Noch gibt es keine Anzeichen eines Gletscherlaufs.

Update 17:30 Uhr: The volcanic activity in the Holuhraun eruption has remained unchanged today, despite increased tremor detected in the area, says geophysicist Armann Hoskuldsson, who is at the site. Subglacial eruption is therefore a real possibility, and the only option was to leave immediately he says.

Der erhöhte Tremor ist Grund zur Sorge, da er sich nicht in einer erhöhten Ausbruchsaktivität an der derzeitigen Ausbruchsstelle äußert. Selbst wenn es zu einem weiteren Ausbruch auch nur in der Nähe des Gletschers kommen würde, müsste fast unmittelbar folgend mit einer Schmelzwasserflut gerechnet werden. Die Wissenschaftler und Journalisten befinden sich jetzt in der Hütte Drekagil auf ca. 800 m über NN - und damit 200 m als eine mögliche Flut reichen würde.

Das Lavafeld hatte am Morgen des 3. Sep eine Größe von 7,2 km² erreicht. Hier eine Karte, die am Nachmittag veröffentlicht wurde mit der Ausdehnung vom Morgen. Gegen 20 Uhr wurde bekannt, dass es aktuell eine Ausdehnung von 9,2 km² hat.

Quelle: http://en.vedur.is/earthquakes-and-volcanism/articles/nr/2947


Ich werde mal eine Runde schwimmen gehen (hier in Reykjavík regnet es schon den ganzen Tag mit nur ganz kurzen Pausen) und dann schauen wir mal, wie es weiter geht :-). Nachrichten wie immer schnell hier: http://www.ruv.is/volcano.

Update 20:41 Uhr: Noch nichts Neues.

Update 21:14 Uhr: Angesichts der anhaltenden Unruhen ist das Gebiet nördlich des Gletschers nun für jedermann gesperrt. Wissenschaftler und Journalisten hatten bislang eine Ausnahmegenehmigung. Die Totalsperrung bleibt so lange aufrechterhalten, bis man neuere Informationen hat und die Sache neu bewerten kann.

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