Eis und Vögel

7. Mai
Wat ne stürmische Nacht! Gegen den Lärm, den der Wind beim Bewegen meines Zeltes machte, hatten die Vögel keine Chance mit ihrem Gezwitscher - es war, als würden sie schlafen. Der Weckdienst kam heute also von einer anderen Seite.

Und siehe da - es war nicht nur schattig kühl, nein da war auch Schatten um den Öræfajökull. Der Gipfel in Wolken gehüllt, Skaftafell in Wolken. Nanü, es sollte doch die Sonne scheinen! Irgendwie war ich ja doch erleichtert, dass es mit der Tour nicht geklappt hatte. Wer einmal bei blauem Himmel und bombastischer Sicht auf dem Gipfel war, geht kein zweites Mal hoch, wenn das nur wolkenverhüllt geht. Puh, Glück gehabt. Noch mehr Glück, als ich dann im Laufe des Tages realisierte, wie fies der Wind vom Gletscher wehte. Ich will mir gar nicht vorstellen, welche Windgeschwindigkeiten da oben herrschten, wenn es mich stellenweise am Fuße des Gletschers schon fast aus den Schuhen wehte, sich Autotüren nur mit letzter Kraft gegen den Wind öffnen ließen.

Also erstmal auf Richtung Gletscherlagunen. Und nach 2 Biegungen war auch das versprochene Wetter da. ABER: In der Regel waren es 0-1°C, am Fjallsárlón -2°C und so ein übler Wind - das gibt Frostbeulen! Ein Hoch auf die Regenhose, die an einem solchen Tag ein super Windschutz ist. Ein Hoch auf die Vaseline im Gepäck, die in genau solchen Situationen das gröbste Erfrieren im Gesicht verhindert. Ein Hoch auf all die Mützen, Schals, Handschuhe und Kapuzen. Heute war Michelin-Männchen-Look angesagt, Hauptsache einigermaßen warm bleiben.


Eine der beiden Zugangsstraßen Richtung Fjallsárlón:


Winterwunderland - wunderschön!


Fjallsárlón - raue See in der Lagune und Erfrierungsalarm am Ufer!



Hier wehte der Schnee über die Straße und ließ sie vereisen:


frischer Eisabbruch in der Jökulsárlón:



 Immer noch Eis ohne Ende, weshalb derzeit keine Bootstouren stattfinden:


Heute und gestern fanden aber zusätzlich aus anderem Grund keine Bootstouren statt, 
nichts fand statt - auch anderswo nicht:



letzte Ruhestätte: Strand






Nachmittags ging es dann zum Kap Ingólfshöfði. Auf dem Weg dorthin fiel der Sandsturm kleiner aus als erwartet, aber es war dennoch sehr, sehr windig. Prinzipiell hatten wir schöne Sonne, aber die Kälte war angesichts des Winds doch bitter.





Die Skua-Weibchen fangen an, auf den Nestern zu hocken. Noch waren keine Eier gelegt, aber es kann nicht mehr lange dauern. Leider hatte sich der Autofokus meines Tele verabschiedet und für die manuelle Fokussierung waren die Vögel alle eine Nummer zu flink. Schade - sie waren schön am Fliegen. Papageitaucher haben wir auch gesehen - faul in der Ferne und im Schatten hockend und nicht in angenehmer Fotoschlagdistanz.



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