Wandern in der Sonne - Skaftafell

6. Mai
Frisch war es in der Nacht - laut Wetterstation bis -5°C. Leider zeigt mein Schlafsack langsam Alterserscheinungen und ich war in der Nacht zu faul, das Inlet aus dem Auto zu holen. Also eine Schicht Klamotten drüber - hilft auch.

Der Morgen begann recht früh, denn die heimische Vogelwelt kümmert sich nicht um menschliche Schlafbedürfnisse. Und so begann viel zu früh das tschiiep, tschiiep, tschiiiiiiep, tirillietschieptscheriep der Vögel auf Paarungssuche. Meine vier Nachbarn, die ich schon von der Fähre her kannte, hatten mir zuätzlich eine laute Nacht beschehrt - unsere Begrüßung begann daher auch eher im Sinne von "Danke für dieses unglaubliche, stundenlange Schnarchkonzert" ;-). Aber, keine Bange, wir fanden dann recht schnell vom Schnarchen ins normale Gespräch :-).

Tja, auf der Skaftafellsheiði ist derzeit fast alles gesperrt. Man kommt nur auf direktem Wege zum Svartifoss, den ich noch 13x diese Saison ansteuern werde und der so und so mein "Lieblingswasserfall" ist - also dahin nicht. Und noch maximal zum Aussichtspunkt Sjónasker. Das war es und das ist nicht viel. Immerhin ist es möglich, außen rum ins Morsádalur zu wandern und so stand mein Plan für diesen Tag fest. Ich mag dieses Tal. Und es ist meist so was von menschenleer. Wandern und die Seele baumeln lassen - herrlich!

Ach übrigens: Liebe Leute, Eishöhlen-Watching am Vatnajökull ist finito. Da hilft es auch nichts, wenn man 10 min gegenüber dem Nationalpark-Personal bettelt und flucht. Entweder existieren sie schon nicht mehr oder sind einsturzgefährdet. Die sind aber auch sooo gemein in Island, dass sie einfach nicht in der Lage sind, die Höhlen ganzjährig zugänglich zu halten.Wir kamen am Ende zu dem Schluss, dass dieser neue Tunnel da im Langjökull immerhin ein Gutes haben wird: Er wird all die Eistunnel- und Eishöhlen-Gucken-Woller und die Ich-im-Eistunnel-Fotografierer zufriedenstellen. Haken dran. Been there, done that.

Nun aber ab. Kurz nach 9 startete ich ins Morsádalur. Nee, war dat schöön!


Es ist wie Wandern durch die Wüste, nur dass man den Gletscher als Ziel hat:



Nun sag noch einer, die haben keinen Wald in Island! Dieser Teil des Weges ist mir leicht verhasst - ein Fuß breit, überall Gestrüpp, das sich im Rucksack verfängt. Zum Glück ist die Buschanei nicht so hoch, so dass man noch was von der Umgebung erahnt. Denn das Tolle in Island ist doch, dass man beim Wandern in der Regel so weit gucken kann, wie die Augen noch können - ein Gefühl von Freiheit.


Die Wüste wechselt die Farben:


Hier wird mal ein Wald entstehen:


Der Morsájökull mit den immer noch deutlich sichtbaren Überresten der Steinlawine vom Winter  2006/07 (der dunkle Teil rechts):


Einfach schön! Und diese Stille!


Blick ins Kjós-Tal:


Auf meinem Rückweg traf ich dann noch mehr Wanderer  - 13 an der Zahl! Plus 4, die an der einen Brücke auf halber Strecke umgedreht waren. Und das Anfang Mai! Unglaublich! Naja, da fast alles andere gesperrt ist, bleibt ja nicht viel, was man noch machen kann. Und ich finde es eigentlich schön, dass sich noch mehr Leute Zeit für dieses Tal nehmen. Leider wird es viel zu oft links liegen gelassen und Skaftafell mit Svartifoss gleichgesetzt.

Am späteren Nachmittag machte ich mich gen Svínafellsjökull auf. Ach, ist der noch herrlich weiß. Schön!


Und ich machte mich auf den Weg Richtung Skaftafellsjökull - von der anderen als der üblichen Seite. Ich finde es immer wieder beeindruckend, über diese Moränenlandschaft zu wandern und mir dabei bewusst zu machen, mit welcher Kraft die Eismassen arbeiten. Das ist echt irre.


Es gibt eine Stelle, da ist der Gletscher noch sehr nahe am "Ufer". Wuuunderschön!


Man vergisst echt die Zeit, wenn man dort ist. Gucken, staunen, fotografieren, genießen.



Ach ja, die Formel "kalt = keine Sonnenbrandgefahr" war natürlich mehr als naiv. Obwohl es am bis zum frühen Nachmittag maximal 6°C waren und ich meist MIT der Sonne lief, habe ich mir wohl doch ordentlich Sonne eingefangen. Naja, so eine braun gebrannte Reiseleiterin kommt ja doch besser als ne blasse ... hüstel ... ;-). Morgen ist alles braun, was heute am Abend noch glüht.


Tja, mein Plan für morgen geht leider nicht auf. Angesichts des Wetters hatte ich gehofft, mit den Mountainguides auf Islands höchsten Gipfel, den Hvannadalshnúkur, zu wandern. Die Touren starten nur dienstags, donnerstags und samstags. Für morgen fand sich leider außer mir niemand und so muss ich weiter von den Erinnerungen von 2009 leben. Und mit diesem Bild von heute:


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