Im Sturm in die Westfjorde

10. Mai
Heute sollte es richtig übel werden, nahezu überall. Die Temperaturen wollten in den Keller rutschen, der Wind aus Richtung Nordost kommen und damit wechseln und vor allem wollte er zeigen, was er so drauf hat. Sturmwarnung in den Westfjorden und im Süden Islands, rutschige Straßen und Schnee im Westen und Osten.

Da morgen in den Westfjorden die Sonne scheinen soll und ich die stille Hoffnung auf Papageitaucher habe, war es trotz allem mein Plan, in die Westfjorde gen Látrabjarg zu fahren. Ich war in einer Tour dabei, die Wettervorhersage, die Straßensituation und die Webcams zu checken. Es war nicht unmöglich, nur halt langsamer. Aber Zeit hatte ich mehr als genug.

Also nahm ich den gefühlt elendig langen Weg über die Straße 60 (südliche Westfjorde) in Angriff, bereit, jederzeit abzubrechen, sollten die Wetterbedingungen zu übel werden.

Entlang der Ringstraße war es entgegen der Vorhersage die ganze Zeit so gut wie trocken. Aber der Wind war schon übel. Jedoch nichts im Vergleich zu dem, was dann in den Westfjorden kam.

An der Ringstraße in Nordisland:


Ab Búðardalur ging es dann los: Der Wind wurde immer stärker und quetschte alles aus den Wolken, was sich an Flüssigkeit darin befand, obwohl sie prinzipiell gar nicht danach aussahen, regnen zu wollen. Aber es kam in einer Tour feucht von der Seite geschleudert. Der Wind wehte mit permanent über 20 m/sek (mehr als 72 km/h) und Windspitzen bis 31 m/sek (ca. 111 km/h). Im Auto fiel das erst gar nicht so auf - irgendwann bemerkte ich halt doch, dass der Arm vom Gegenlenken lahm wurde. Aber wann immer ich ausstieg, wurde klar, was da draußen abgeht. Das war schon ordentlich. Die angekündigten Schneestürme fielen hingegen weniger übel aus. Es flockte leicht, aber der Schnee kam kaum auf der Erde an und über die Pässe war eh fast nur ein Schleichen mit 30-50 km/h möglich. Die Chance auf Abflug war andernfalls einfach zu groß.

 Die Sicht in den Westfjorden:


Irgendwann kam wider Erwarten die Sonne raus. Die Scheiben des Autos waren blickdicht.


Interessante Nachrichten kamen aus Südisland. Dort wurde Sturm mit 35-40 m/sek erwartet (bis 144 km/h) und der damit einhergehende Sandsturm führte zur Sperrung einiger Straßenabschnitte beginnend ab 11 Uhr:

Screenshot von www.road.is um 13:40 Uhr

Für den letzten Teil meiner Reise in die Westfjorde blieb die Vorhersage gleichbleibend:

Screenshot von www.road.is
Als ich den Fähranleger in Brjánslækur passierte, schien immer öfter die Sonne. Aber der Sturm blieb. An der Küste ergaben sich dadurch interessante Ausblicke, wenn Wasser und Sand in die Luft gewirbelt wurden.




Die letzten Kilometer vor Látrabjarg:


Auch wenn die Straße breit genug ist, aber diese Etappen knapp an den Bergen entlang reizen jedes Mal aufs Neue:


Nach 440 km und geschlagenen 7,5 Stunden (!) hatte ich dann endlich Breiðavík erreicht. Ein neuer Rekord im Langsamfahren. Aber besser so, als von der Straße zu fliegen und ich hatte ja nun mal Zeit. In Breiðavík traf ich eine Radfahrerin aus den Niederlanden, mit der ich später den Versuch unternahm, nach Papageitauchern Ausschau zu halten. Aber weit und breit war auch am Abend keiner zu sehen - vermutlich hatten sie angesichts des Sturms keine Landeerlaubnis erhalten ;-).

In der letzten Siedlung vor Látrabjrag:





Látrabjarg - ohne Papageitaucher



Also auf ein Neues morgen!

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