Sonnig-stürmisch in den Westfjorden

12. Mai
Während ich hier so beim Frühstück sitze, pfeift der Wind übers Land und es tut fast körperlich weh, die anrollenden Windböen zu hören. Der Wind hatte in der Nacht wieder an Fahrt zugenommen, mehrfach wurde ich im Schlaf von meinem Zelt geküsst und jedes Mal erwartete ich das fiese Knack, das den Tod meines Gestänges verkünden würde. Seitdem mein 2015er Zelt von Wechsel (das nicht gerade preiswert war) mich in Island mit mehrfachem Gestängebruch geärgert hatte, so dass ich es im darauffolgenden Winter den australischen UV-Strahlen opferte und am Ende der Reise im Outback im Müll entsorgte, ist mein Vertrauen in Zeltgestänge extrem gesunken. Aber mein neues Zelt hielt sich tapfer.

Nur eben war ich dann doch schnell draußen, es abbauen. Man muss nichts riskieren. Von geordnetem Rückzug konnte jedoch keine Rede sein, eher von: Sieh zu, dass du alles möglichst schnell und im Stück ins Auto geworfen bekommst. Meiner Unterlegplane bin ich dann am Ende doch einige hundert Meter hinterhergesprintet.

So fies der Wind hier auch ist, so glücklich schätzten wir wenigen Reisenden, die sich hier derzeit aufhalten, dass wir hier sind. Überall in Island war und ist das Wetter mies, und die Ringstraße musste im Süden und Südosten Islands auch gestern wieder zeitweise gesperrt werden, so dass Reisende strandeten, nicht an ihr Ziel oder nicht zurück kamen. Auch heute wieder ist sie bis zumindest 15 Uhr gesperrt.

www.road.is

Wir hingegen hatten Sonne und fühlten uns vom Glück geküsst :-). Unser erstes Ziel am Vormittag war Rauðasandur. Die Straßenverhältnisse sind hier derzeit ziemlich schlecht - neben den üblichen Schlaglöchern, denen sich kaum ausweichen lässt, finden auf der 612 Straßenbauarbeiten statt. Für die knapp 40 km brauchten wir eine geschlagene Stunde - okay, einschließlich diverser Fotostopps ;-).



Bei der Anfahrt auf Rauðasandur:


Leider war dort so viel Wasser, dass wir nicht bis an den Strand gelangen konnte, ohne nasse Füße zu bekommen. Aber der Anblick dieses Ortes war auch so schön genug. Hin und wieder blies der Wind so heftig, dass wir Mühe hatten, vorwärts zu gehen. 




Am Nachmittag wanderte ich auf den Hausberg von Breiðavík. Birna hatte mir erzählt, dass sie beschlossen hatte, das Gästebuch des Hotels auf den Gipfel zu verfrachten, in gespannter Erwartung, wie viele ihrer Gäste sich wohl am Ende des Sommers darin verewigt haben würden. Nachdem das Buch im Februar dort deponiert worden war, war ich die erste, die sich dort einschrieb :-).


Mein Weg führte weiter Richtung Strand.


Doch wer zum Strand will, muss auch hier durchs Wasser:


Da half nur eines: Schuhe aus und durch. Auch wenn es sommerlich warm aussieht - die gefühlten Temperaturen lagen im Minusbereich. Über 3 °C kan das Thermometer im Schatten nicht hinaus und der Wind blies weiter heftig.



Am Abend unternahmen wir einen erneuten Anlauf zum Vogelfelsen. Es waren wesentlich mehr Vögel zu sehen, zeitweise herrschte reger Flugverkehr, aber von den Papageitauchern war weit und breit nichts zu sehen, obwohl sich der Wind teils bis auf 7m/sek (ca. 25 km/h) beruhigte und das Meer nahzu glatt wirkte. Nun gut, man kann nicht alles haben. Die Stimmung dort war so friedlich und es waren so wenige Menschen unterwegs, dass es auch ohne die Papageitaucher einfach nur schön war.


Abendstimmung nach 21 Uhr:


1 Kommentar:

Flögi hat gesagt…

Traumhaft schöne Landschaft ist es mit diesen Lagunen.
Liebe Grüße