Resümee nach 4 Touren

13. Juni
Dienstag, freier Tag. Zeit für die Esja :-). Die Wanderung auf diesen Berg tut immer gut - man kann sich auspowern und abschalten. Wenn nicht gerade wieder eine ganze Schule auf dem Berg unterwegs ist oder wild und laut um sich fotografierenden Menschen von einem anderen Kontinent, dann herrscht dort mit Ausnahme des Windes wunderbare Stille. Die Wind war heute recht ruhig, die Schule ist zu Ende und die Fotowütigen waren schon fast wieder unten, als ich startete.

oben bei der Windrose / Þverfellshorn


Mir kamen wieder einige Läufer entgegen, die deutlich weniger schaufend und elfengleich den Berg hochschwebten ;-). Vermutlich trainieren sie für den Esja-Run, der am Sonntag stattfindet:


Ich bin immer froh, wenn ich gehend oben ankomme. Von Laufen reden wir lieber nicht ;-). Aber ohne diese Dienstagstour würde die Kondition über den Sommer immer schlechter werden, sind wir doch auf den Busreisen nur gemütlich schlendernd und spazierend unterwegs.

Als Ausrede fürs heutige Schwächeln könnte ich einen ziemlich schrägen Isländer anführen, der letzte Nacht so einen Lärm auf dem Zeltplatz gemacht hatte, dass es schwer war, in den Schlaf zu finden und der auch heute Morgen um 6:25 Uhr der Meinung war, mit seinem lauten Krakeelen alle zu wecken. Es gibt Menschen, denen möchte man einfach nur in den Hintern treten ... In seinem Fall halfen Worte, aber es war zu spät - ich war wach :-(.

Vier Runden um die Insel liegen nun bereits hinter mir. Was ist mir auf diesen vier Touren aufgefallen?

  • Island ist grüner als die Jahre zuvor zur selben Zeit, gefühlt war die Vegetation im Mai 3 Wochen voraus und schon jetzt ist alles grün, selbst im Norden grünt es. Für die Fotos ist das natürlich schöner :-).
  • Island ist ruhig. Ich bin echt erstaunt, wie wenig Reisende wir unterwegs treffen. Im Norden war es zumindest bis einschließlich letzter Woche noch herrlich ruhig! Und selbst im Süden hätte ich dieses Jahr wesentlich mehr Leute erwartet. Ausnahme ist natürlich der Golden Circle und der insbesondere dann, wenn ein Kreuzfahrtschiff in Reykjavík ist. Aber ansonsten hält es sich mit den Massen wirklich in sehr gut ertragbaren Grenzen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
  • Bei den Preisen ist die Schmerzgrenze erreicht. Wobei es eben weniger die Preise sind, die so sehr weh tun (das taten sie schon immer), nein der Wechselkurs macht es besonders schmerzvoll und es gibt auch nichts mehr, womit man das Preisniveau begründen könnte. Noch vor einigen Jahren konnten wir sagen: Hier muss das Geld in 3 Monaten im Sommer verdient werden. Diese Zeiten aber sind vorbei - Island hatte im vergangenen Winter so viele Gäste wie im Sommer. Jetzt kann ich nur noch sagen: Hier wird mitgenommen, so lange es anhält. Immerhin hat der Wechselkurs dafür gesorgt, dass meine Referenzkekse im Preis gesunken sind. 2006, also vor der Krise, hatten sie  ca. 87 isk gekostet, waren dann nach der Krise im Laufe der Jahre auf über 130 isk gestiegen. Dieses Jahr kosten sie 81 isk :-).
  • Das Wetter lässt Böses erahnen. So viel Sturm und Regen in Folge! Ich erinnere mich nur ungern an den verregneten Sommer 2015, wo ich so viele Runde mit dem Regen um die Insel zog. Soll sich das dieses Jahr wiederholen?? Letztes Jahr, als es wohl trocken war, war ich nicht als Guide unterwegs, hmmm. Ich war jedenfalls froh, dass wenigstens die aktuell letzte Runde sehr, sehr trocken war - irgendwann mag man keinen Regen mehr ;-).

Was möchte ich Reisenden, die diesen Sommer noch nach Island kommen, mit auf den Weg geben?

  • Denkt bitte an die Regensachen! Und damit meine ich: Regenjacke und Regenhose. Regen macht generell keinen Spaß, aber ohne Regenbekleidung ist man hier im Regen aufgeschmissen. Und sorry: Island ist outdoor - man ist hier eigentlich nur draußen unterwegs. Im Regen und im Sturm, bei jedem Wetter :-).
  • Das "Is" in Island hat einen Grund - es bedeutet "Eis". Wir liegen hier inmitten des Nordpolarmeers, knapp unterhalb des Polarkreises. Auch wenn ihr hier euren Sommerurlaub verbringt, denkt bitte daran, dass in Island andere Temperaturen herrschen. In Island badet man zwar draußen, aber das Wasser hat im heißen Pott um die 40°C, am Strand hingegen holt man sich einen bösen Schnupfen. Es darf also gerne ein Pullover mehr sein. Am besten eignet sich das Zwiebelprinzip - viele dünne Schichten. Und vergesst Mütze, Schal und Handschuhe nicht!
  • Island bedeutet Baden unter freiem Himmel - nutzt die Chancen, die sich euch bieten. Taucht ein in die isländische Badekultur.
  • Vermeidet zu vergleichen, versucht zu entspannen. Preisvergleiche anzustellen, führt nur dazu, dass einem schlecht wird. Das Preis-Leistungs-Verhältnis lässt sich nicht mit dem in Deutschland vergleichen. Hakt den Reisepreis ab, den ihr gezahlt habt und versucht, euch auf das Land einzulassen, die wunderbare Landschaft, die es zu bieten hat, zu genießen. Mit allem anderen verderbt ihr euch sonst nur den Urlaub und das wäre schade.
  • Der Schmerz am Abend im Restaurant beim Blick auf die Getränkekarte lässt sich abmildern, wenn man bei der Einreise nach Island im Rahmen der Zollbestimmungen Getränke einführt (siehe hier). Auch wenn euch die Preise im Duty Free am Flughafen (bei den Gepäckbändern) einen Schrecken einjagen, sind sie doch wesentlich geringer als IM Land ;-).
  • Island ist nicht Deutschland. Auch wenn wir uns in Europa befinden, ticken die Uhren hier doch anders und das in vielerlei Hinsicht. Lasst euch auf dieses Andersartige ein und denkt nicht immerzu daran, an welcher Stelle es in Deutschland anders/besser ist. Wenn ihr nur drauf schauen würdet, bräuchtet ihr nicht zu verreisen ;-). Die Menschen hier sind anders, die Busse, die Wege, das Wetter, das Essen, die Luft, die Schafe, die Pferde, das Wasser, die ... Genießt die Andersartigkeit.
  • In Island muss man laufen. Auch wer nur entlang der Ringstraße unterwegs ist, muss hin und wieder ein Stück gehen, wenn er etwas sehen möchte - und das, obwohl sooo viele Ziele fast direkt an der Ringstraße liegen. Die Wege in Island sind manchmal speziell. Nichts ist genormt, selten gibt es Geländer, noch immer recht selten findet man Absperrungen, fast überall kann man abstürzen oder sich sonstewie die Beine brechen. Schaut, wohin ihr geht, wenn ihr geht, sucht nicht nach Schildern, die euch vor Gefahren waren - denn eigentlich wisst ihr ganz von alleine, wo Gefahren lauern.
  • Island bietet eine Fülle von Fotomotiven. Wer schon länger nach einer neuen Kamera schielt, sollte vielleicht vor dem Urlaub zuschlagen (und sich vorher auch ein wenig "einknipsen"). Es gibt einige "bewegliche" Ziele, bei denen ich hin und wieder hörte: "Ach, bis meine Kamera so auslöst ...". Gerade bei der Walbeobachtung, bei Vögeln, bei den Schlammpötten oder beim Geysir kann schnelles Auslösen goldwert sein. Also wenn ihr noch nach einer neuen Kamera sucht, schaut, dass sie eine möglichst kurze Auslösezeit hat. Oder genießt all die Dinge mit den Augen.
 So, und nun wünsche ich einen schönen Urlaub :-).

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